Das Klassenzimmer als Klang- und Kompositionsraum
Helge Krückeberg
Videoproduktion: Christian Sunderdiek / www.herrsunderdiek.de
Raumklangkompositionen, klingende Alltagsgegenstände, Improvisationen – die Ausdrucksformen zeitgenössischer Musik sind vielfältig und bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für die eigene kreative Praxis. Dieses Potenzial zu nutzen ist das Anliegen von Zeitgenössische Musik in der Schule.
Schüler*innen experimentieren mit Klängen und Geräuschen, und zwar voraussetzungsfrei, ohrenöffnend, forschend, mit Musikinstrumenten oder umfunktionierten Alltagsgegenständen. Dieser experimentelle Ansatz spricht alle Schüler*innen an – egal ob sie selber musizieren oder nicht.
Zeitgenössische Musik in der Schule 2026
Folgende Schulen nehmen 2026 am Programm teil:
- Grundschule Sprötze-Trelde
- Rosengarten Oberschule
- IGS Marienhafe-Moorhusen
- Förderschule Körperliche und Motorische Entwicklung Aurich
- Regenbogenschule Sarstedt
- Theodor-Heuss-Gymnasium (Wolfenbüttel)
- Grundschule Sülfeld
- Ottfried-Preußler-Schule (Hannover)
- Janusz-Korczak-Schule (Springe)
- Leonore-Goldschmidt-Schule (Hannover)
Helge Krückeberg
„Zeitgenössische Musik in der Schule“ ist ein Programm der Landesmusikakademie und Musikland Niedersachsen gGmbH - gefördert durch die Niedersächsische Sparkassenstiftung.
Die Konzepte & Künstler*innen für 2026
Geschichten ohne Worte
// Paulina Sofie Kiss
"Geschichten ohne Worte" soll Jugendlichen den Zugang zur Welt der Geräusche und ihrem Potenzial in einem weiten Feld der künstlerischen Praxis eröffnen. Inspiriert von Klangkunst, Radiostücken und dem Foley-Handwerk werden Alltagsobjekte gesammelt und bespielt, um Geschichten ausschließlich mit Klang zu erzählen. Im Mittelpunkt stehen die Schärfung akustischer Wahrnehmung, der kreative Einsatz von Materialien und Stimme sowie die Entwicklung musikalischer Fähigkeiten im Zusammenspiel in der Gruppe.
Am Ende stehen die Vertonungen kurzer Geschichten in Kleingruppen. Als Ausgangspunkt dienen 3–5 vorgegebene Szenarien, die gut umzusetzen sind – etwa „Der morgendliche Kampf auf dem Weg zur Schule“ oder „Ein nächtliches Gewitter“. Eigene Geschichten sind selbstverständlich willkommen. Die Jugendlichen gestalten eigenständig ihr Klang-Setup, wählen Materialien, kombinieren Objekte und Stimme und strukturieren die Abfolge ihrer Geräusche.
Teilnehmende Schulen: Janusz-Korczak-Schule (Springe) & Leonore-Goldschmidt-Schule (Hannover)
China Hopson
Biografie Paulina Sofie Kiss
Paulina Sofie Kiss ist Musikerin und Komponistin mit Schwerpunkt auf experimenteller und elektronischer Musik. Ein elementarer Teil ihrer Arbeit ist das Spiel mit Hörerwartungen und der Versuch, Musik in ihren Kontexten zu hinterfragen. Um eine geschärfte Aufmerksamkeit für das Wesen von Klang und Musik zu schaffen, bewegt sie sich im Spannungsfeld der Genregrenzen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im konzeptionellen Ansatz und der intensiven Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und kulturpolitischen Inhalten in ihrer Musik. Sie studierte zunächst Bratsche bei Professor Johannes Lüthy an der Musikhochschule Karlsruhe. Geprägt durch die Zusammenarbeit mit Professor Marie-Bernadette Charrier während ihres Erasmus in Bordeaux wandte sie sich immer mehr zeitgenössischer und experimenteller Musik zu. Es folgte ein Studium elektroakustischer Komposition bei Robin Minard und Maximillian Marcoll in Weimar. Sie ist künstlerische Leiterin des Detect Ensembles, bestehend aus Musiker*innen beheimatet in Jazz, zeitgenössischer und klassischer Musik. In Kooperation mit Musiker*innen und Komponist*innen unterschiedlicher Hintergründe bespielen sie die Zwischenräume der sogenannten Hochkultur und Sub-, bzw. Clubkultur. Neben ihrer eigenen künstlerischen Arbeit ist sie Gründungsmitglied des Detect Classic Festivals, wo sie sich in den Gestaltungsprozess der Dramaturgie und Umsetzung einbringt. Sie komponierte und performte u.A. für das Konzerthaus Berlin, das Beethovenfest Bonn und das Podium Esslingen. Außerdem war sie Stipendiatin der Kunststiftung Baden-Württemberg. https://paulinasofiekiss.de
Achtung Hochspannungsgefahr!
// Marianne Knoblauch und Gundel Gebauer
Spannung erzeugen, Dampfablassen, Entspannen, Energie tanken –
eine interdisziplinäre Annäherung an Stimme, Körper, Bewegung und Klang, die das bewusste Wahrnehmen und Ausdrücken von Spannung und Entspannung erfahrbar macht.
Wir suchen gemeinsam nach An- und Entspannung in unserer Welt und in der Lebensrealität der jungen Menschen und setzen es in ein eigenes Musikstück um, dass performative Elemente enthält.
Wir erkunden die Auswirkungen von Spannung und Entspannung auf unsere Stimme, die Atemführung, die Artikulation, die verschiedenen Klangfarben, auf unseren Sprechausdruck, wie auch auf unsere körperliche Bewegung/Haltung (Stichwort: Gefühle) oder auf Bewegungsdialoge.
Wo finden sich stimmlich-musikalische oder körperliche Techniken zur Regulation von Über- oder Unterspannung? Und wie fühlen wir uns eigentlich in Balance?
Teilnehmende Schulen: Grundschule Sülfeld & Ottfried-Preußler-Schule (Hannover)
Christian Felber
Biografie Marianne Knoblauch und Gundel Gebauer
Marianne Knoblauch ist Gesangspädagogin und Schulmusikerin. In verschiedenen Gesangsformationen, u. a. von 2015 – 2020 mit dem Davos Festival Kammerchor, dem Gesangsquintett ENSEMBLE SOZUSINGEN oder als Chorleiterin von CantAria, erforscht sie die unterschiedlichsten Klangmöglichkeiten von Stimmen, führt regelmäßig zeitgenössische Chorwerke auf und ist auf der Suche nach neuen Konzertformen und -formaten. Es ist ihr ein besonderes Anliegen, Menschen über ihre eigene Stimme einen Zugang zu Musik, zur eigenen Gefühlswelt und zum eigenen Körper zu ermöglichen. Diese Art der musikalischen Arbeit bringt sie in diverse interdisziplinäre Vermittlungsprojekte und in ihren Gesangsunterricht ein.
Gundel Gebauer, Theaterpädagogin und Dipl. Kulturwissenschaftlerin, wurde in Hannover geboren. Das Studium der Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis mit den Schwerpunkten Theater und Musik absolvierte sie an der Universität Hildesheim und an der Hoogeschool voor de Kunsten in Utrecht. In der Spielzeit 2005/06 war sie feste Mitarbeiterin der musiktheaterpädagogischen Abteilung der Staatsoper Hannover, die sie in der Spielzeit 2008 bis 2010 leitete. Seit August 2010 ist sie als freie Musiktheaterpädagogin, Kulturmanagerin und Musikvermittlerin tätig. 2011 gründete sie mit anderen freischaffenden Künstlern, Musik- und Theaterpädagogen den Verein Creo e. V.. Auf dieser Plattform führt sie unterschiedliche kulturelle Bildungsprojekte durch.
Julia Cremers
Laut oder lauschig - ein Wandelkonzert für eine Klasse in Ihrer Schule
// Daniela Fromberg
Geräusche und Klänge sind unsere ständigen Begleiter. Von den polyfonen Rhythmen der Popmusik über das Brummen der elektrischen Zahnbürste im Kopf, vom Filmton des Geräuschemachers bis zur Klangkulisse des vertrauten Schulgebäudes bilden sie den akustischen Hintergrund unseres Alltags.
Diesen Geräuschen aus dem Alltag der SuS möchten wir uns in einem partizipativen und prozessorientierten Projekt widmen und spielerisch den Spaß am Geräusch und das Interesse am eigenen Komponieren wecken. Gemeinsam wollen wir eine Raum-Klang-Komposition entwickeln, bei der die Musiker*innen oder/und die Zuhörer*innen in Bewegung sind.
Mit natürlicher Spielfreude erobern die SuS dabei das unbekannte Terrain künstlerischer Arbeitsformen und leisten dabei ganz Unerhörtes: Ohne große Vorkenntnisse werden sie zu Produzent*innen komplexer musikalischer Strukturen und Erfinder*innen eines ganz eigenen Instrumentariums aus Alltagsmaterialien.
Teilnehmende Schulen: IGS Marienhafe-Moorhusen & Förderschule Körperliche und Motorische Entwicklung Aurich
Biografie Daniela Fromberg
Daniela Fromberg (*1968) ist eine bildende Künstlerin, die intermedial in den Bereichen Skulptur, Fotografie, Klang und Interventionen im öffentlichen Raum arbeitet. In ihrer Arbeit untersucht sie das Potenzial alltäglicher, „armer“ Materialien und Fundstücke aus ihrem persönlichen Umfeld. Ihr auditives Werk umfasst Klanginstallationen, Objekte, experimentelle Musik und performative Raumkonzerte mit Alltagsmaterialien sowie Veröffentlichungen auf den Labels Senufo Editions, Edition Telemark, Fragment Factory und Syrphe. Sie hat Bildende Kunst mit dem Schwerpunkt Klangkunst in Hannover, Berlin und Mexiko-Stadt studiert. Gemeinsam mit Stefan Roigk hat sie geräusch[mu’si:k] gegründet, ein vielfach ausgezeichnetes Programm zur Vermittlung von Klangkunst, das sich seit 2009 mit mehr als 3500 Teilnehmer:innen und über 150 individuellen Projekten zu Deutschlands größtem von Bildenden Künstler:innen initiierten Vermittlungsprogramm für Klangkunst entwickelt hat. Für ihre partizipative künstlerische Arbeit erhielten sie umfangreiche Förderungen und sind Gewinner der Bundeswettbewerbe “Mixed Up” und “Kinder zum Olymp!”. www.daniela-fromberg.com www.geraeuschmusik.de
Pezzettino - wie aus vielen kleinen Teilchen ein großer Klang entsteht
// Carolin Pook
Warum rauscht es im Wald, wenn der Wind weht? Jedes einzelne noch so kleine Blatt hat einen eigenen Klang, kaum hörbar alleine. Tausende von Blättern ergeben eine laute Wolke aus Klang, der sich kontinuierlich je nach Richtung und Stärke des Windes verändert.
Wir wollen gemeinsam und spielerisch mit Hilfe von Improvisation ergründen, wie so etwas in der Praxis funktioniert und wie es sich anfühlt, ein solches Teilchen zu sein, denn jedes Teilchen - Pezzettino- ist es auch noch so klein, ist von elementarer Wichtigkeit für das große Ganze.
Wir verwenden zunächst Stimme und Körper, gehen dann über auf Instrumente, die wir zum Teil basteln oder als fertigen mitgebrachten Alltagsgegenstand verwenden. Flüstern, schreien, singen, zischen, stampfen, klatschen, schnipsen, alles ist möglich.
Teilnehmende Schulen: Regenbogenschule Sarstedt & Theodor-Heuss-Gymnasium (Wolfenbüttel)
Tim Mueller
Biografie Carolin Pook
Carolin Pook ist Geigerin, Komponistin, Improvisationsmusikerin, Dirigentin und Schlagzeugerin. Ihre musikalischen Kreationen sind auf die Musiker zugeschnitten und oft teils improvisiert, teils auskomponiert. Die Presse beschreibt ihren Stil als postmoderne Klangarchitektur von stellenweise magisch anmutender Intensität.Pook began mit dem Violinspiel im Alter von 6 Jahren, mit dem Schlagzeug im Alter von 12. Während ihres Jazz Studiums an der Musikhochschule Köln (Violine/Schlagzeug) wuchs ihr Interesse für zeitgenössische Musik, und während ihrer Schaffenszeit in New York 2006-2021 legte sie ihren Fokus auf das Komponieren und freies bzw. dirigiertes Improvisieren. Carolin Pook komponierte im Auftrag von: Moers Festival, SWR Vokalensemble, Deutsche Radiophilharmonie, EOS Kammerorchester, Wuppertaler Bühnen, Stadttheater Rendsburg u.a. Seit 2021 lebt Carolin Pook in Hildesheim und unterrichtet dort Improvisation an der Universität im Fachbereich Kulturwissenschaften. ausführliche Biographie: https://www.carolinpook.com/bio-german
Jana De Troyer
Eine Hörspielwelt mit Klangillusionen
// Jana De Troyer
In einem Hörspiel sind die begleitende Musik und Geräusche sehr wichtig, um der Geschichte den richtigen Ton zu geben. Jetzt sind wir dran! Als Klassengruppe bauen wir gemeinsam ein Hörspiel von ca. 15 Minuten, das wir am Ende der Workshopreihe live aufführen.
Gemeinsam erfinden wir die Atmosphäre und die Effekte (Foleys) zu einer Geschichte. In fünf Sitzungen setzen wir uns mit folgenden Themen auseinander: Was ist ein Hörspiel? Wie kann man bestimmte Atmosphären mit Musikinstrumenten und auch mit Alltagsobjekten kreieren? Was sind Foleys? Wie können wir die unterstützende Klangkulisse für ein Hörspiel gestalten?
Am Ende der Workshopreihe führen wir das Hörspiel konzertant auf. Dabei sitzt das Publikum in der Mitte und die Kinder in einem Kreis rund um die Zuhörenden. Auf diesem Weg können sie auch angeleitet sogar räumliche Effekte, wie links-rechts, oder eine klangliche La-Ola-Welle machen.
Teilnehmende Schulen: Grundschule Sprötze-Trelde & Rosengarten Oberschule
Biografie Jana De Troyer
Die Komponistin und Saxophonistin Jana De Troyer lotet die dynamischen Grenzen zwischen Stilen und Disziplinen aus und wechselt dabei geschickt ihre Rollen als Komponistin, Instrumentalistin, Improvisatorin und Klangkünstlerin. Im Zentrum ihrer Arbeit steht eine intensive Auseinandersetzung mit außermusikalischen Konzepten, die häufig zur Integration interdisziplinärer Mittel führt. Ihr kompositorisches Schaffen umfasst sowohl instrumentale als auch elektronische Musik sowie interaktive Installationen, Netzkunst und audiovisuelle Werke. Sie hat u. a. Musik für ein strickendes Gitarrenquartett (Fashionista's), eine:n Fensterputzer:in (Putzzwang), und einen präparierten Fahrradchor (Noise Maps) entwickelt. Sie war musikalische Leitung und Komponistin für das Musiktheaterstück IT’S A MATCH (2025). Im Januar 2024 wurde ein Porträt über sie im Deutschlandfunk ausgestrahlt. Jana hat einen Master of Music für Saxophon (MHL Lübeck, 2018) und für Contemporary Performance and Composition (HfMT Hamburg, 2020). Sie ist Dozentin für die Musikproduktionssoftware Ableton Live an der Musikhochschule Lübeck und ist Alumna des renommierten stART.up-Programms der Claussen-Simon-Stiftung. www.janadetroyer.com
Rückblick
Zeitgenössische Musik in der Schule 2023
Das Projekt
Zeitgenössische Musik in der Schule wird veranstaltet von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, wurde erstmalig 2004 angeboten und findet alle zwei Jahre statt. Vier Musiker*innen, Komponist*innen oder Ensembles besuchen zwischen September und Dezember acht Schulklassen in Niedersachsen mit eigens für das Projekt entwickelten Unterrichtskonzepten und arbeiten eng mit den beteiligten Lehrer*innen zusammen. Musik- und Neigungslehrer*innen konnten sich mit ihren Schüler*innen der 3. bis 13. Jahrgangsstufe aus allen Schulformen in Niedersachsen um eine Teilnahme bewerben. Alle Details zum Programm finden Sie in der Ausschreibung. Weiter unten auf dieser Seite finden Sie zudem ausführliche Informationen zu den angebotenen Kompositionsprojekten und den beteiligten Musiker*innen sowie zahlreiche Impressionen aus den vergangenen Jahren. Das Programm ist für Schulen kostenfrei und wird ausschließlich durch die Niedersächsische Sparkassenstiftung als Veranstalterin finanziert.
Folgende Schulen nahmen 2023 am Programm teil:
- Sothenbergschule (Bad Salzdetfurth)
- IGS Isernhagen
- Schwalbenschule Wriedel
- Grundschule Flegesessen
- Paul Maar Grundschule (Hilkerode)
- Grundschule Häcklingen (Lüneburg)
- Otto-Hahn-Schule (Wunstorf)
- Oberschule am Sonnenhügel (Osnabrück)
- Elisabeth-von-Rantzau-Schule (Hildesheim)
Helge Krückeberg
Abschluss am 28. November im Stadtteilzentrum Ricklingen
Zum Abschluss verbrachten alle teilnehmenden Klassen und Künstler*innen einen gemeinsam Tag im Freizeitheim Ricklingen. Hier hatten alle neun Schulklassen die Möglichkeit, ihre erarbeiteten Kompositionen gemeinsam mit den Künstler*innen vorzustellen und zu sehen, was in den anderen Schulen spannendes entstanden ist.
Der Bericht der Niedersächsischen Sparkassenstiftung zeigt einige Impressionen des Projekts:
Helge Krückeberg
Linus Nawrath
Rückblick // Die Besuche 2020/21
„Zeitgenössische Musik in der Schule“ ist ein Programm der Landesmusikakademie und Musikland Niedersachsen gGmbH - gefördert durch die Niedersächsische Sparkassenstiftung.
Material für den Unterricht zum freien Download
Fragen & Antworten
Helge Krückeberg
| T | 0511 642 792 02 |
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Die Landesmusikakademie und Musikland Niedersachsen gGmbH ist eine Gesellschaft des Landesmusikrats Niedersachsen e.V. in Kooperation mit dem Land Niedersachsen, der Stiftung Niedersachsen und der Niedersächsischen Sparkassenstiftung.