Nachhaltiges Musikland Niedersachsen

Anregungen für eine umweltorientierte, nachhaltige Veranstaltungsszene

Ob Klassisches Konzert oder Rockfestival – Fragen zu Thema Nachhaltigkeit stellen wir uns alle.
Niedersachsen hat als Flächenland viele verschiedene Voraussetzungen und Herausforderungen. Was den einen beschäftigt, kann für die andere irrelevant sein, sodass allgemeine Tipps oft zu kurz greifen.

Wir haben während eines Fachtags 2019 konkrete Ideen und Fragen zum Thema Nachhaltigkeit gesammelt, die die Veranstaltungsszene beschäftigen. Hier möchten wir erste Antworten und Anregungen geben. Zu verschiedenen Themen finden Sie und Ihr Best Practices oder weiterführende Links.
Die Seite wird stetig aktualisiert und wir freuen uns über weitere Fragen oder Ergänzungen – schreibt/ -en Sie uns gern eine Mail!

Als Tipp vorweg: Es kann helfen, eine Person oder ein Team als Hauptverantwortliche für Nachhaltigkeit zu bestimmen, so lässt sich das Thema priorisieren und Maßnahmen Schritt für Schritt umsetzen.

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Informationsseiten und Leitfäden

Informationsseiten

GREEN EVENTS HAMBURG ist ein offenes, partizipatives und zukunftsorientiertes Netzwerk, bestehend aus verschiedenen Akteuren, die sich Fragen zu ökologischem, sozialem und verantwortungsvollem Veranstalten widmen. Hier wird es in den nächsten Monaten eine Übersicht zu verschiedenen Leitfäden geben.

Die GREEN MUSIC INITIATIVE dient als nationale Plattform zur Förderung einer klimaverträglichen Musik – und Entertainmentbranche durch die Initiierung und Realisierung von gemeinsamen Aktivitäten.
Ziel ist die Reduktion der CO2-Emissionen in allen Bereichen.

Die Seite Dasselbe in Grün vom Verband der nachhaltigen Unternehmen bietet Links und Tipps für Unternehmer*innen und Verbraucher*innen.

Hier findet sich ein spannendes Interview mit Solveig Kögel (2bdifferent).

-> Nachhaltiges Denken und Handeln beinhalten auch, sich mit den Ursprüngen der Klimakrise und den eigenen Privilegien sowie dem Kolonialismus und jahrhundertelangen Kämpfen von Menschen des globalen Südens auseinanderzusetzen. Dafür empfehlen wir die folgenden Zeitungsartikel und Bücher:

  • Für Festivalbesucher:innen
    • Festivalplattform und Onlinemagazin Höme

Abfallmanagement

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Zum Thema Mülltrennung lohnt sich ein Blick zum Zero-Waste-Konzept des Futur2Festival.

Auch das SummerSounds hat mit verschiedenen Maßnahmen, wie durchsichtigen Mülltonnen, messbare Erfolge erzielt, die bald als Best Practices zur Verfügung gestellt werden.

Ein Faktor der insbesondere bei Outdoorveranstaltungen eine große Rolle spielt, sind Zigaretten. 4,5 Billionen Zigarettenfilter landen weltweit pro Jahr in der Umwelt - wobei ein Zigarettenstummel bis zu 200 Liter Grundwasser (Quelle: Tobacco Control) verunreinigt. TobaCycle ist ein Sammel- und Recyclingsystem für Zigarettenstummel. Hier werden die Giftstoffe entzogen und alle Einzelteile sachgerecht entsorgt.

Im Großen wie im Kleinen bietet es sich an, nach einer Veranstaltung oder nach einer Woche im Büro den Müll und insbesondere den Plastikmüll mit den Fragen „Was wurde alles weggeworfen?“ und "Was lässt sich zukünftig verhindern" zu untersuchen. Ist z.B. beim Merch jeder Artikel einzeln verpackt? Gibt es von Produkten größere Packungen? Müssen die Blumensträuße für Künstler*innen immer in mehrere Lagen Plastik gewickelt werden? Häufig ist einem gar nicht bewusst, was alles im Abfall landet.

Ökotoiletten

Alternativen zu Dixitoiletten sind sogenannte Ökotoiletten. Sie fangen Ausscheidungen ohne Wasserverbrauch und Chemikalien auf die in einer Kompostierungsanlage landen. So wird kein Wasser verbraucht, gelangen keine schädlichen Chemikalien ins Grundwasser und gleichzeitig wird eine Kreislaufwirtschaft gefördert. Normalerweise werden die mit Duft- und Desinfektionsmitteln behandelten Fäkalien aus den Chemietoiletten abgepumpt und in eine Kläranlage gefahren.

Um die höheren Kosten zu kompensieren, bietet es sich an, sich mit Festivals in der Umgebung zusammen zu schließen. So lassen sich sowohl die Transportkosten, als auch -emissionen reduzieren. Denkbar ist ebenfalls vorerst nur einen Teil der Toiletten in der Ökovariante anzuschaffen.

Stromversorgung und alternative Energiequellen

Sowohl für Clubs, Büros, Konzerthäuser und auch Zuhause bietet es sich an, Ökostrom zu beziehen. Mittlerweile ist dieser optional bei fast allen Energieanbietern erhältlich.

Auswahl von reinen Ökostromanbietern

-> Hier finden Sie / findet ihr ein Best Practice vom Futur2Festival, die einen geschlossenen Energiekreislauf haben und verschiedene Möglichkeiten, wie Solarpanels und vom Publikum betriebene Fahrräder, zur Stromerzeugung nutzen. <-

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Transport, Transfer und Logistik

Publikumstransport

Bei Veranstaltungen macht der Publikumstransport häufig einen Großteil der Emissionen aus. Sei es, dass die Konzerthalle/ das Gelände am Stadtrand liegt oder Publikum aus ländlichen Regionen anreist. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, gewissenhafter Planung:

  • Bei der Konzertplanung die Erreichbarkeit mit dem ÖPNV beachten, Haltestellen online bei der Anfahrtsbeschreibung mit aufnehmen und auch vor Ort gut kennzeichnen bzw. den Weg dorthin.
  • Konzertkarten gelten als Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr.
  • Konzertzeiten an den öffentlichen Nahverkehr anpassen.
  • Shuttlebusse zum nächsten großen Bahnhof anbieten.
    • Bei älterem Publikum sollte auf die Kapazität des Busses geachtet werden, damit jede*r einen Sitzplatz bekommt. Im Zuge dessen Menschen mit Einschränkungen besondere Hilfe anbieten (z.B. Rollstuhlplatz im Bus, Hilfe beim Ein- und Aussteigen usw.). Um einschätzen zu können, wie viele Menschen mitfahren wollen, könnten die Fahrkarten vom Ticketpreis exkludiert und separat zum Kauf angeboten werden.
    • -> Festspiele Mecklenburg-Vorpommern Festspielfrühling Rügen: „Als besonderen Service bietet die Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen (VVR) zu sämtlichen Abendkonzerten den „Festspielbus“ an, für den die Konzertkarte als Ticket gilt und dessen Fahrplan im Programm veröffentlicht ist.“ <-
    • -> Bereits der Kirchentag in Stuttgart 2015 bot als Transfer Menschen mit (Geh-)Behinderungen spezielle Lastenräder an, um ihre Mobilität zu unterstützen. <-
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Hinter der Bühne

Neben dem Publikumstransport gibt es natürlich noch alle weiteren (Künstler*innen-) Transfers, Großtransporte von Bühnen, Ständen usw.

  • Partner wählen, die E- oder Hybrid-Autos anbieten oder mit bestehenden Partnern darüber sprechen.
  • Einen Sponsor suchen, der Bahngutscheine/-reisen finanziert (so wird es für manche Künstler*innen möglicherweise attraktiver mit der Bahn anzureisen).
  • Büros, die keine eigenen Autos haben, hin und wieder jedoch eines benötigen, können sich bei einem lokalen Carsharing anmelden.
  • Für kürzere Transportwege bieten sich Lastenräder an.

Gastronomie und Catering

Für die Gastronomie und das Catering lohnt es sich, Wert auf biologischen Anbau und Regionalität zu legen. Auf diesem Wege wird unter anderem CO2 gespart, Mischkulturen gefördert und es gelangen keine Pestizide ins Grundwasser. Zudem sparen Bioprodukte knapp 20% der CO2-Emissionen.

Wenn Sie/ ihr einen Schwerpunkt auf vegane oder vegetarische Ernährung legen/ legt, kann man hier nicht nur gegen Massentierhaltung aktiv werden, sondern auch CO2 einsparen. "Die Produktion von einem Kilo Rindfleisch verursacht zwischen sieben und 28 Kilo Treibhausgasemissionen – Obst oder Gemüse dagegen liegen bei weniger als einem Kilo." (Quelle: Umweltbundesamt)

Auf der Seite des BUND finden Sie/ findet ihr Informationen zu den verschiedenen Bio-Gütesiegeln.


-> Das Fuchsbau Festival hat einen Bestellsupermarkt, so kann man sichergehen, dass das was man braucht auch da ist und muss im Vorhinein nicht so viel einkaufen. Möglicherweise ziehen dann sogar mehr Leute die Anreise mit dem Zug in Betracht. <-

-> Auf das snntg-Festival können die Besucher*innen ihr Essen auf selbst mitgebrachtem Campinggeschirr serviert bekommen. So wird viel Einweggeschirr gespart. <-

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Arbeitskleidung und Merchandise

Für Arbeitskleidung und Merch können Sie/ könnt ihr nachhaltige Firmen als Partner suchen. Es gibt mittlerweile eine große Auswahl an Unternehmen, die mit biologisch hergestellten Materialien Kleidung herstellen und diese zu fairen Bedingungen produzieren.

Beispiele: armedangels, greenality, grundstoff, jojeco, hess natur, maas, wunderwerk, bleed

Auch in diesem Bereich gibt es einige Gütesiegel, die Sie/ ihr hier von der Verbraucherzentrale erklärt finden/ findet.

Nachhaltig im Büro

Büro- und Promomaterial

Häufig ist es im kleineren Rahmen leichter Müll zu sparen und zu trennen, zusätzlich bietet der Umstieg auf ökologische Alternativen z.B. bei Putzmittel und Büromaterial einen niedrigschwelligen Einstieg ins Thema.

Auch das Drucken von Flyern, Programmheften und Plakaten kann über eine solche Alternative erfolgen. Sinnvoll ist auch, genauer zu kalkulieren, wie viele Programmhefte wirklich benötigt werden (z.B. durch eine gründliche Inventur vor und nach Veranstaltungen). So landen im Nachhinein weniger Kartons im Altpapier.

Website und Telefon

Über greensta lassen sich Webserver und Domains buchen, die mit Ökostrom von Greenpeace Energy betrieben werden.
Goood bietet günstige Handyverträge an, bei denen monatlich 10% des zu zahlenden Betrages an eine frei wählbare, gemeinnützige Organisation gespendet werden.

Banken und Finanzen

Banken sind nicht nur für die täglichen Geldgeschäfte der Kunden zuständig, sie investieren auch in andere Unternehmen und Projekte, die auch die Rüstungs-, Kohle- und Atomindustrien und in Bereiche, in denen Kinderarbeit und Menschenhandel nicht immer ausgeschlossen werden. Bei der Wahl der Bank kann man somit auch eine ökologische und sozial engagierte Alternative suchen. Diese fördern in der Regel die Energiewende und schließen Investitionen in ethisch fragwürdige Projekte von vornherein aus.

Beispiele für nachhaltige Banken:

CO2-Ausgleich

Nicht jeder CO2-Ausstoß lässt sich verhindern, es gibt auch gewisse Kontingente, die für die Umwelt tragbar sind. Wer somit zum Ausgleich beitragen möchte, kann einen Blick auf die folgenden Firmen werfen:

Kontakt

Landesmusikakademie und Musikland Niedersachsen gGmbH
Geschäftsstelle Musikland Niedersachsen

info@musikland-niedersachsen.de

T +49 511 64279204

Die Landesmusikakademie und Musikland Niedersachsen gGmbH ist eine Gesellschaft des Landesmusikrats Niedersachsen e.V. in Kooperation mit dem Land Niedersachsen, der Stiftung Niedersachsen und der Niedersächsischen Sparkassenstiftung.