Das Klassenzimmer als Klang- und Kompositionsraum

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Helge Krückeberg

Raumklangkompositionen, klingende Alltagsgegenstände, Improvisationen – die Ausdrucksformen zeitgenössischer Musik sind vielfältig und bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für die eigene kreative Praxis. Dieses Potenzial zu nutzen ist das Anliegen von Zeitgenössische Musik in der Schule.

Schüler:innen experimentieren mit Klängen und Geräuschen, und zwar voraussetzungsfrei, ohrenöffnend, forschend, mit Musikinstrumenten oder umfunktionierten Alltagsgegenständen. Dieser experimentelle Ansatz spricht alle Schüler:innen an – egal ob sie selber musizieren oder nicht.

Zeitgenössische Musik in der Schule 2023

Die Bewerbungsphase für Schulen ist beendet.

Das Projekt wurde erstmalig 2004 angeboten und findet alle zwei Jahre statt. Vier Musiker:innen, Komponist:innen oder Ensembles besuchen zwischen September und Dezember acht Schulklassen in Niedersachsen mit eigens für das Projekt entwickelten Unterrichtskonzepten und arbeiten eng mit den beteiligten Lehrer:innen zusammen. Musik- und Neigungslehrer:innen konnten sich mit ihren Schüler:innen der 3. bis 13. Jahrgangsstufe aus allen Schulformen in Niedersachsen um eine Teilnahme bewerben. Alle Details zum Programm finden Sie in der Ausschreibung. Weiter unten auf dieser Seite finden Sie zudem ausführliche Informationen zu den angebotenen Kompositionsprojekten und den beteiligten Musiker:innen sowie zahlreiche Impressionen aus den vergangenen Jahren. Das Programm ist für Schulen kostenfrei und wird ausschließlich durch die Niedersächsische Sparkassenstiftung finanziert.

Die vollständige Ausschreibung mit allen Informationen finden Sie hier:

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Helge Krückeberg

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Helge Krückeberg

Die Konzepte & Künstler:innen 2023

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Birgit Baumann

Das Gras wachsen hören

// Ansgar Sillies

Kann man Gras wachsen hören? Nicht wirklich... oder etwa doch?

In diesem Workshop suchen wir Wege, um den Vorgang des Wachsens zu vertonen. Die Natur bietet jede Menge Inspiration: das Wachsen der Wolkenformationen bei einem aufziehenden Gewitter können wir beispielsweise hautnah miterleben. Häufig ist der Vorgang des Wachsens allerdings nicht direkt sichtbar. Er hinterlässt aber Spuren: sei es die aufgeplatzte Rinde an einem Baum oder die immer feiner werdende Verästelung bis hin zum jungen Trieb. Solche und andere Spuren finden wir und verarbeiten sie zu Klang.

 Biografie Ansgar Sillies

Ansgar Silies (*1979) studierte Szenografie an der Hochschule Hannover. Heute arbeitet er als freier Bühnenbildner, Musiker und Klangkünstler sowie als Lehrbeauftragter für Szenografie an der Hochschule Hannover. Theater- und Filmmusik komponierte er u. a. für das Staatstheater Kassel, Oldenburgisches Staatstheater, Schauspiel Essen, Theater Bonn sowie für den WDR und den Cornelsen Verlag. Seine Ausstellungen und Klangperformances waren in zahlreichen Kultureinrichtungen im In- und Ausland zu sehen und hören. Im Duo mit dem niederländischen Klangkünstler Remco de Kluizenaar erarbeitet er regelmäßig ortsspezifische Klangperformances. Ansgar Silies ist Preisträger des Künstlerstipendiums 2009 der Emsländischen Landschaft e. V. Weitere Informationen: www.ansgarsilies.de

I like to move it!

// Christof Littmann & Simone Deriu

Laufen, rennen, kriechen, schleichen, hüpfen, springen, atmen, hecheln, schwitzen, keuchen! Alles in Bewegung ist Bewegung ist Musik ist Klang ist Rhythmus Rhythmus, Rhythmus, Rhythmus ist Emotion ist Leben.

Wie machen Musik mit allem was sich in Deiner Sporthalle bewegt. Du komponierst mit unserer Unterstützung ein eigenes Musikstück. Die Instrumente dafür könnten beispielsweise sein: 10 über den Boden schleifende Turnmatten und 30 quietschende Turnschuhe; oder 20 aneinander reibende Handflächen und 7 auf den Boden fallende Medizinbälle. Lass deine Fantasie entscheiden. Die Hauptsache dabei ist: BEWEGUNG!

Simone Deriu
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Tim Müller

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Gundel Gebauer

 Biografie Christof Littmann

Christof Littmann absolvierte den Kontaktstudiengang Popularmusik in Hamburg und studierte anschließend Jazz/Rock/Pop an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. Als Musiker führten ihn zahlreiche Konzerttourneen durch Europa und die USA. Seine Arbeit als Arrangeur, Keyboarder, Produzent und Songwriter ist auf mehreren Millionen verkaufter Tonträger zu hören und wurde wiederholt mit goldenen Schallplatten ausgezeichnet. Das künstlerische Schaffen als Komponist und Produzent reicht von populären- bis hin zu klassischen und experimentellen Genres. Seit vielen Jahren engagiert sich Littmann bei Creo e. V. für die Förderung von Kindern und Jugendlichen. Außerdem hält er Vorträge und gibt Seminare bzw. Workshops zum Thema Komposition, Kreativität, Musik sowie Gewaltfreie Kommunikation u.a. an der Hochschule für Musik Theater und Medien in Hannover und der Universität der Künste Berlin.

 Biografie Simone Deriu

Simone Deriu wurde in Sassari, Italien, geboren und begann dort im Alter von sieben Jahren mit dem Turntraining. 10 Jahre später startete er sein Studium des klassischen und modernen Tanzes an der Rotterdam Dance Academy. Es folgten verschiedene Engagements wie in Groningen, Darmstadt, Kassel oder auch an der renommierten Gothenburg Opera Dance Company, für die Deriu als Tänzer und später auch als Choreograf tätig war. 2010 begann die langjährige Zusammenarbeit mit dem hannoverschen Choreografen Felix Landerer. Weitere Choreografien von Deriu wurden u. a. am Staatstheater Darmstadt und am Staatstheater in Kaiserslautern aufgeführt. Simone Deriu ist Familienvater und arbeitet als freier Tänzer, Bewegungstrainer und Akrobat.

Birke J Bertelsmeier
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Manu Theobald

Kompositionen und/oder notierte Improvisation für Stimme, Körper und Alltagsgegenstände

// Birke J. Bertelsmeier


Was ist Komposition? Was ist Improvisation? Wo beginnt Musik? Welche Klänge können wir mit Stimme, Körper und Alltagsgegenständen erzeugen. Wie können wir eigene Musik notieren damit außenstehende Personen diese verstehen und interpretieren können?

Jedes Kind zeichnet, kaum ein Kind komponiert. Hindernis ist zumeist die Notation. Bei dem Projekt entwickeln die Schüler:innen eigene sehr einfache Notationsformen und diskutieren untereinander die Problematik von Notation. Die Partitur ist nicht die Komposition sondern nur ein Hilfsmittel für anderen Interpreten die Komposition bestmöglich wiederzugeben.

Die Schüler:innen sind bei diesem Workshop Komponist:innen, Improvisator:innen, Analytiker:innen und Interpret:innen.


 Biografie Birke J. Bertelsmeier

Birke J. Bertelsmeier wurde 1981 in Hilden geboren. Sie erhielt Klavierunterricht bei Barbara Szczepanska, Kompositionsunterricht bei David Graham und studierte Klavier bei Pavel Gililov an der Hochschule für Musik und Tanz Köln (Diplom 2005). Im Anschluss daran nahm sie ein Studium bei Wolfgang Rihm an der Hochschule für Musik Karlsruhe auf (Diplom 2008, Konzertexamen 2011). Zudem schloss sie 2009 ein Studium der Musikwissenschaft mit dem Master ab. Sie war Stipendiatin der Internationalen Ensemble Modern Akademie, der Akademie Musiktheater heu- te, des Herrenhauses Edenkoben, des Ircam in Paris, 2013 der Villa Massimo in Rom und 2018/19 der Villa Concordia Bamberg. 2015 wurde sie mit dem Kompo- nisten-Förderpreis des Ernst von Siemens Musikstiftung ausgezeichnet. Birke J. Bertelsmeiers umfangreiches Werkverzeichnis umfasst Musiktheater und Filmmusik ebenso wie Orchesterwerke, Kammermusik und Solostücke. Für ihre Kompositionen wurde sie mehrfach ausgezeichnet, so mit dem Karlsruher Kompo- sitionspreis, dem Preis des Yvar Mikhashoff Trust for New Music New York und 2012 mit dem Schneider-Schott-Musikpreis. Sie erhielt Kompositionsaufträge unter anderem vom Festival Heidelberger Frühling, der Münchener Biennale, von der Beijing International Music Competition, der Deutschen Oper Berlin und den Darm- städter Ferienkursen. Ihre Werke werden auf internationalen Festivals und von namhaften Interpreten aufgeführt, beispielsweise von Christian Tetzlaff, Tabea Zimmermann, Christoph Eschenbach, dem Arditti Quartett, dem Quatuor Diotima, dem Ensemble Modern, dem Radiosymphonieorchester Berlin und von Mitgliedern der Berliner Philharmoniker. 2014 kamen an der Deutschen Oper Berlin zwei Mu- siktheaterwerke – „Querelle“ nach Jean Genet und „Die Rose und die Nachtigall“ nach Oscar Wilde – zur Aufführung.

Das rappelnde Klassenzimmer

// Daniela Fromberg & Stefan Roigk

Geräusche und unbemerkte Klänge sind unsere ständigen Begleiter. Von den polyfonen Rhythmen der Popmusik über das Brummen der elektrischen Zahnbürste im Kopf, vom Filmton des Geräuschemachers über ASMR-Videos auf YouTube bis zur Klangkulisse der heimischen Wohnung bilden sie den akustischen Hintergrund unseres Alltags. Diesen Geräuschen aus dem Alltag der SuS möchten wir uns in einem partizipativen und prozessorientierten Projekt widmen und spielerisch den Spaß am Geräusch und das Interesse am eigenen Komponieren wecken. Gemeinsam wollen wir eine Raum-Klang-Komposition entwickeln, bei der die individuell von den SuS mitgebrachten Alltagsmaterialien neben von uns bereitgestellten Geräuschgebern das Instrumentarium bilden.

Mit natürlicher Spielfreude erobern sich die Schülerinnen und Schüler dabei das unbekannte Terrain künstlerischer Arbeitsformen und leisten dabei ganz Unerhörtes: Ohne große Vorkenntnisse werden sie zu Produzent:innen komplexer musikalischer Strukturen und Erfinder:innen eines ganz eigenen Instrumentariums aus Alltagsmaterialien.

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Foto:

Heidrun Schramm

 Biografie Daniela Fromberg

Daniela Fromberg (*1968) hat Bildende Kunst mit den Schwerpunkten Skulptur, Intervention im öffentlichen Raum und Klangkunst in Hannover, Berlin und Mexiko-Stadt studiert. Ihre Arbeiten handeln von Oberflächen – sowohl konkret als abgeformte Hülle, Gehäuse oder Haut als auch abstrakt als projizierte Rollenbilder. Durch formgebende Experimente verhilft sie “armen” Materialien oder gebrauchten Objekten in einem schnellen Impuls zu neuem Eigenleben. Ursprünglich durch die Knappheit persönlicher Ressourcen bedingt, entstehen aus relativ wertlosen, zugänglichen Alltagsmaterialien unter Einbeziehung von Klang, Film, Fotografie und Performance ihre oftmals nomadischen Raumaneignungen. “Ich mag die lebendige Oberfläche gebrauchter Gegenstände und das Experimentieren mit eigenwilligen Materialien. Ursprünglich entstand meine Arbeitsweise aus materiellem Mangel, aber nur so kann ich die essenziellen Beziehungen zwischen uns selbst und den konkreten Dingen der Welt aufspüren.”

 Biografie Stefan Roigk

Stefan Roigk (* 1974) ist Komponist und Bildender Künstler mit Lebensmittelpunkt in Berlin. Roigk arbeitet mit der intermedialen Verschränkung von Klangcollage, Skulptur, Installation, Zeichnung und Text-Sound-Komposition. Dabei ist das Geräusch als künstlerisch-ästhetisches Forschungsfeld der Ausgangspunkt wie auch das zentrale Medium seiner Arbeiten. Sein künstlerischer Fokus liegt auf der dynamischen Inszenierung kontextbezogener Alltagsfragmente, die er im Sinne der Visuellen Musik mit einer außergewöhnlich entwickelten visuell-poetischen Formensprache umsetzt. Roigk nutzt hierfür kompositorische wie dekonstruktivistische Techniken der Collage und Assemblage zur Entwicklung von narrativ anmutenden, bühnenartigen Raumkompositionen, in denen die unterschiedlichen Medien wie Instrumente eines Orchesters verschmelzen.

Rückblick // Die Besuche 2020/21

„Zeitgenössische Musik in der Schule“ ist ein Projekt der Niedersächsischen Sparkassenstiftung in Kooperation mit der Landesmusikakademie und Musikland Niedersachsen gGmbH und dem Niedersächsischen Kultusministerium. Weitere wichtige Partner sind der Bundesverband Musikunterricht e.V. LV Niedersachsen und der Verband Deutscher Schulmusiker Niedersachsen e.V. (VDS).

Material für den Unterricht zum freien Download

Fragen & Antworten

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Die Landesmusikakademie und Musikland Niedersachsen gGmbH ist eine Gesellschaft des Landesmusikrats Niedersachsen e.V. in Kooperation mit dem Land Niedersachsen, der Stiftung Niedersachsen und der Niedersächsischen Sparkassenstiftung.