Das Klassenzimmer als Klang- und Kompositionsraum

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Raumklangkompositionen, klingende Alltagsgegenstände, Improvisationen – die Ausdrucksformen zeitgenössischer Musik sind vielfältig und bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für die eigene kreative Praxis. Dieses Potenzial zu nutzen ist das Anliegen von Zeitgenössische Musik in der Schule.

Schüler*innen experimentieren mit Klängen und Geräuschen, und zwar voraussetzungsfrei, ohrenöffnend, forschend, mit Musikinstrumenten oder umfunktionierten Alltagsgegenständen. Dieser experimentelle Ansatz spricht alle Schüler*innen an – egal ob sie selber musizieren oder nicht.

Umsetzung

Das Projekt wurde erstmalig 2004 angeboten und findet alle zwei Jahre statt. Vier Musiker*innen, Komponist*innen oder Ensembles besuchen ab Anfang September 2020 acht Schulklassen in Niedersachsen mit eigens für das Projekt entwickelten Unterrichtskonzepten und arbeiten eng mit den beteiligten Lehrer*innen zusammen. Musiklehrer*innen der 5. bis 13. Jahrgangsstufe aus allen Schulformen in Niedersachsen können sich bis zum 30. November 2019 um eine Teilnahme bewerben.

Wichtige Anregungen bietet eine für das Projekt konzipierte Fortbildungsveranstaltung für die in der nächsten Runde „Zeitgenössische Musik in der Schule“ beteiligten und alle weiteren interessierten Lehrer*innen. Diese findet vom 5. bis 6. Februar 2020 in der Landesmusikakademie in Wolfenbüttel statt.

Am 2. September 2020 startet die Projektphase mit einer halbtägigen Auftaktveranstaltung im Sparkassenverband Niedersachsen in Hannover, die für die Lehrer*innen und die Künstler*innen Gelegenheit bietet, in das Thema einzusteigen, sich persönlich kennenzulernen und sich über die Wünsche und Termine für die fünf Workshops auszutauschen.

Zum Abschluss der Projekte findet jeweils am letzten Workshoptermin eine Präsentation für Eltern, Schüler*innen und Interessierte in der Schule statt. Am 17. November 2020 treffen sich die Beteiligten aller Projekte zu einer gemeinsamen Abschlusspräsentation im Freizeitheim Lister Turm in Hannover.

„Zeitgenössische Musik in der Schule“ ist ein Projekt der Niedersächsischen Sparkassenstiftung in Kooperation mit der Landesmusikakademie und Musikland Niedersachsen gGmbH und dem Niedersächsischen Kultusministerium. Weitere wichtige Partner sind der Bundesverband Musikunterricht e.V. LV Niedersachsen und der Verband Deutscher Schulmusiker Niedersachsen e.V. (VDS).

Material für den Unterricht zum freien Download

Die Konzepte

Wie klingt Europa?
Komponieren und Improvisation als Ausdruck kultureller Vielfalt

Das übergeordnete Thema Europa soll in seiner Komplexität wahrgenommen und musikalische Herangehensweisen gemeinsam entwickelt werden. Nach einem Brainstorming über Europa werden die individuellen Anknüpfungspunkte an das Thema in musikalische Begriffe übertragen. Anschließend sollen diese Begriffe aktiv erprobt werden. Anhand eines selbst gewählten Stückes, welches im Bezug zu Europa (bzw. zum „europäischen Gedanken“) steht, lernen die Schülerinnen und Schüler Elemente der kompositorischen Arbeit (Dekonstruktion, Variation, Veränderung etc.) kennen. Darüber hinaus werden neue Spielarten und Klänge ihres eigenen Instruments und der musikalischer Avantgarde eingeführt.

Anne Bischof und Maximilian Guth

Klang in Bewegung

In der Landschaft der Neuen Musik spielt das Verbinden der Musik und Bewegung eine wichtige Rolle. Entsteht Musik aus einer Bewegung oder andersrum? Wo ist die Ursache und wo die Wirkung? In diesem Projekt werden Grenzen beider Definitionen verschwinden. Viel mehr wird hier versucht, eine spielerische Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten, Musik im konkreten Alltag bzw. im Klassenzimmer neu zu definieren.

Daniel Moreira (Komponist), Vendula Nováková (Regiesseurin)

Digital ist anders
Die Erforschung von Klängen aus dem unmittelbaren Umfeld und deren Manipulation mit Synthetischen Effekten im Umfeld zeitgenössischer Improvisation

Der Einfluss des digitalen Zeitalters stellt immer wieder neue Anforderungen aber auch neue Möglichkeiten für uns dar. Dies gilt für die moderne Pädagogik genauso wie für zeitgenössische Komposition und Improvisation.

Das vorliegende Konzept will zeigen, wie Klang aus herkömmlichen Musikinstrumenten ebenso wie aus allen erdenklichen Gegenständen des täglichen Lebens erzeugt und mit dem Computer verfremdet und um neue Spielparameter erweitert werden kann.

Roman Rofalski

SPRACHMUSIKEN/MUSIKSPRACHEN

Sprache und Musik werden in Alltagssituationen normalerweise als klar voneinander getrennte Kommunikationsformen wahrgenommen. Sprache wird dabei meist mit ihrer informationsübermittelnden Funktion identifiziert, und Musik gilt gemeinhin als Ausdruck von Gefühlen, Emotionen oder Stimmungen. Diese Zuschreibungen sind ohne Frage nicht falsch, aber stark verengend. So ist etwa die Intonation eines Wortes oder Satzes oft entscheidend für seine Bedeutung, und nicht selten vermitteln Sprechrhythmus und Tonfall einen spezifischen Ausdruckscharakter. Und umgekehrt gibt es auch zahlreiche akustische Phänomene, die wir nicht als Musik, sondern als Bedeutungsträger wahrnehmen (z.B. Warnsignale, Klingeltöne u. ä.).

Tom Rojo Poller

Die teilnehmenden Künstler*innen 2020

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Foto: Ana Cayuela Muñoz

Tom Rojo Poller

Tom Rojo Poller studierte Komposition an der Universität der Künste Berlin (Diplom und Meisterschülerdiplom) sowie am Royal College of Music London und - als Jungstudent - an der HfM Detmold. Außerdem absolvierte er ein Studium der Germanistik und Philosophie an der Humboldt-Universität Berlin und promovierte in Musikwissenschaft. Zur Zeit lehrt er Komposition und Musiktheorie an der Universität der Künste Berlin. Tom Rojo Pollers Werke wurden von verschiedenen Ensembles im In- und Ausland aufgeführt.

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Foto: Johannes Felscher

Roman Rofalski

Roman Rofalski studierte klassisches Klavier an der renommierten Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Im Anschluss verbrachte er drei Jahre in New York, um an der New York University und am Queens College einen Jazz Master zu absolvieren. Er konzertiert weltweit sowohl solo als auch in unterschiedlichsten kammermusikalischen Besetzungen und mit seinem Jazztrio. Rofalski ist festes Mitglied des Oh Ton-Ensembles für Gegenwartsmusik, arbeitet mit der Stockhausen-Stiftung zusammen und tourt als Partner von Schimmel Pianos regelmäßig durch die Volksrepublik China. Mit seinem Roman Rofalski Trio hat er mittlerweile drei Alben veröffentlicht, auf denen er Vorbilder wie Ravel, Bruckner, Schubert oder Prokofjew arrangiert. 2018 erschien "The Kapustin Project", Rofalskis Debutalbum als Solo-Pianist auf Sony Classical.

Maximilian Guth (*1992)

Maximilian Guth studierte Schulmusik mit dem Hauptfach Komposition sowie Evangelische Theologie in Hannover. Seit Oktober 2017 studiert er Historischen und Zeitgenössischen Tonsatz an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Maximilian Guth erhielt für seine Kompositionen bereits nationale und internationale Auszeichnungen (u. a. IMPULS-Preis Halle, beim Kompositions­wettbewerb Grodno in Weissrussland und den 1. Preis beim Internationalen Kompositionswettbewerb der Hamburger Camerata). Er ist Stipendiat der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, der Gesellschaft für Musiktheorie und des Richard-Wagner-Verbands und gründete das interkulturelle Ensemble Asambura.

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Foto:

Markus Wolter

Anne Bischof (*1987) studierte Querflöte am Konservatorium Hamburg und der Musikhochschule Lübeck. Seit ihrem Auslandssemester in Frankreich bei Prof. Mario Caroli, Experte für zeitgenössische Spieltechniken auf der Querflöte, beschäftigt sie sich intensiv mit zeitgenössischer Musik. Sie setzte ihre Ausbildung im Masterstudiengang an der Musikhochschule Hannover fort. Sie ist zudem Absolventin der zertifizierten Weiterbildung „Musik erleben. Musik vermitteln“ an der HfK Bremen. Mittlerweile ist Anne Bischof freiberuflich als Flötistin, Musikvermittlerin, Instrumentalpädagogin und Alexandertechnik-Lehrerin im norddeutschen Raum tätig.

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Foto:

Sebastian Otto

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Foto: Athina Pontikou

Vendula Nováková

Vendula Nováková ist 1983 geboren und studierte in ihrer Heimat Tschechien Schauspiel, Film- und Theaterwissenschaft und Theaterpädagogik. Sie absolvierte den Studiengang Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Der Fokus ihrer Regiearbeit liegt auf zeitgenössischem Musiktheater. Sie arbeitet regelmäßig mit den Komponisten Sergio Vásquez Carrillo und Daniel Moreira. Seit 2019 ist sie Dozentin an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Sie ist Mitgründerin der Theatergruppe DU#ENDE.

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Foto: Daniel Moreira

Daniel Moreira

Daniel Moreira (1984) ist ein deutsch/brasilianischer Komponist und Dirigent zeitgenössischer Musik. Nach einem Studium in Physik, studierte er Komposition und Musiktheorie in Deutschland (Hochschule für Musik und Theater Hamburg und Musikhochschule Stuttgart), USA (University of Texas at Austin) und Brasilien (Universidade Federal do RS). Seine Kompositionslehrer waren Marco Stroppa, Manfred Stahnke und C.L. Chaves. Außerdem nahm er an zahlreichen Meisterkursen und Workshops von Komponisten und Ensembles der Neuen Musik teil. Daniel Moreira ist Dozent für Komposition und Theorie an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

Fragen & Antworten

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Anne Benjes

Leitung Dienst für Musikvermittlung

benjes@musikland-niedersachsen.de

T +49 511 64279202

Impressionen aus dem Jahr 2018

Die Landesmusikakademie und Musikland Niedersachsen gGmbH ist eine Gesellschaft des Landesmusikrats Niedersachsen e.V. in Kooperation mit dem Land Niedersachsen, der Stiftung Niedersachsen und der Niedersächsischen Sparkassenstiftung.