Das Klassenzimmer als Klang- und Kompositionsraum

Zmis21 1112 novakova moreira braunschweig 421
Foto:

Helge Krückeberg

Raumklangkompositionen, klingende Alltagsgegenstände, Improvisationen – die Ausdrucksformen zeitgenössischer Musik sind vielfältig und bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für die eigene kreative Praxis. Dieses Potenzial zu nutzen ist das Anliegen von Zeitgenössische Musik in der Schule.

Schüler:innen experimentieren mit Klängen und Geräuschen, und zwar voraussetzungsfrei, ohrenöffnend, forschend, mit Musikinstrumenten oder umfunktionierten Alltagsgegenständen. Dieser experimentelle Ansatz spricht alle Schüler:innen an – egal ob sie selber musizieren oder nicht.

Zeitgenössische Musik in der Schule 2022/23

Ausblick

Die Vorbereitungen für „Zeitgenössische Musik in der Schule“ 2022/23 laufen, dabei ist für den Sommer in diesem Jahr die Auswahl der Musiker:innen geplant, im Herbst folgt dann die offizielle Ausschreibung für die Schulen.

Zmis21 1112 novakova moreira braunschweig 273
Foto:

Helge Krückeberg

Zmis21 1110 rofalski nienburg 052
Foto:

Helge Krückeberg

Zur Vorbereitung der Schulbesuche, die von September bis Dezember 2023 stattfinden sollen, sind am 7. und 8. März 2023 alle teilnehmenden Lehrer:innen zur Fortbildung in Wolfenbüttel eingeladen. Weitere Informationen folgen.

Umsetzung 2020/21

Das Projekt wurde erstmalig 2004 angeboten und findet alle zwei Jahre statt. Vier Musiker:innen, Komponist:innen oder Ensembles besuchen zwischen September und Dezember acht Schulklassen in Niedersachsen mit eigens für das Projekt entwickelten Unterrichtskonzepten und arbeiten eng mit den beteiligten Lehrer:innen zusammen. Musiklehrer:innen der 5. bis 13. Jahrgangsstufe aus allen Schulformen in Niedersachsen können sich um eine Teilnahme bewerben.

Wichtige Anregungen bot eine für das Projekt konzipierte Fortbildungsveranstaltung für die in der nächsten Runde „Zeitgenössische Musik in der Schule“ beteiligten und alle weiteren interessierten Lehrer:innen. Diese fand vom 5. bis 6. Februar 2020 in der Landesmusikakademie in Wolfenbüttel statt. Einige Eindrücke dieses Workshops finden Sie links in der Galerie.

Die Besuche

„Zeitgenössische Musik in der Schule“ ist ein Projekt der Niedersächsischen Sparkassenstiftung in Kooperation mit der Landesmusikakademie und Musikland Niedersachsen gGmbH und dem Niedersächsischen Kultusministerium. Weitere wichtige Partner sind der Bundesverband Musikunterricht e.V. LV Niedersachsen und der Verband Deutscher Schulmusiker Niedersachsen e.V. (VDS).

Material für den Unterricht zum freien Download

Die Konzepte 2020/21

Zmis21 1116 rauch bischof uelzen 093
Foto:

Helge Krückeberg

Wie klingt Europa?
Komponieren und Improvisation als Ausdruck kultureller Vielfalt

Das übergeordnete Thema Europa soll in seiner Komplexität wahrgenommen und musikalische Herangehensweisen gemeinsam entwickelt werden. Nach einem Brainstorming über Europa werden die individuellen Anknüpfungspunkte an das Thema in musikalische Begriffe übertragen. Anschließend sollen diese Begriffe aktiv erprobt werden. Anhand eines selbst gewählten Stückes, welches im Bezug zu Europa (bzw. zum „europäischen Gedanken“) steht, lernen die Schülerinnen und Schüler Elemente der kompositorischen Arbeit (Dekonstruktion, Variation, Veränderung etc.) kennen. Darüber hinaus werden neue Spielarten und Klänge ihres eigenen Instruments und der musikalischer Avantgarde eingeführt.

Anne Bischof und Cornelius Rauch

teilnehmende Schulen: Herzog-Ernst-Gymnasium, Uelzen / IGS Rodenberg / Hugo-Friedrich-Hartmann-Oberschule Bardowick

Klang in Bewegung

In der Landschaft der Neuen Musik spielt das Verbinden der Musik und Bewegung eine wichtige Rolle. Entsteht Musik aus einer Bewegung oder andersrum? Wo ist die Ursache und wo die Wirkung? In diesem Projekt werden Grenzen beider Definitionen verschwinden. Viel mehr wird hier versucht, eine spielerische Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten, Musik im konkreten Alltag bzw. im Klassenzimmer neu zu definieren.

Daniel Moreira (Komponist), Vendula Nováková (Regisseurin)

teilnehmende Schulen: Neue Schule Wolfsburg / ILMASI Schule Garbsen (soll in 2022 nachgeholt werden) / Gymnasium Kleine Burg Braunschweig

Zmis21 1112 novakova moreira braunschweig 575
Zmis21 1110 rofalski nienburg 313
Foto:

Helge Krückeberg

Digital ist anders
Die Erforschung von Klängen aus dem unmittelbaren Umfeld und deren Manipulation mit Synthetischen Effekten im Umfeld zeitgenössischer Improvisation

Der Einfluss des digitalen Zeitalters stellt immer wieder neue Anforderungen aber auch neue Möglichkeiten für uns dar. Dies gilt für die moderne Pädagogik genauso wie für zeitgenössische Komposition und Improvisation.

Das vorliegende Konzept will zeigen, wie Klang aus herkömmlichen Musikinstrumenten ebenso wie aus allen erdenklichen Gegenständen des täglichen Lebens erzeugt und mit dem Computer verfremdet und um neue Spielparameter erweitert werden kann.

Roman Rofalski

teilnehmende Schulen: Werner-v.-Siemens Gymnasium Bad Harzburg / IGS Nienburg

Die teilnehmenden Künstler:innen 2020/21

Roman-Rofalski-9-Johannes-Felscher

Foto: Johannes Felscher

Roman Rofalski

Roman Rofalski studierte klassisches Klavier an der renommierten Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Im Anschluss verbrachte er drei Jahre in New York, um an der New York University und am Queens College einen Jazz Master zu absolvieren. Er konzertiert weltweit sowohl solo als auch in unterschiedlichsten kammermusikalischen Besetzungen und mit seinem Jazztrio. Rofalski ist festes Mitglied des Oh Ton-Ensembles für Gegenwartsmusik, arbeitet mit der Stockhausen-Stiftung zusammen und tourt als Partner von Schimmel Pianos regelmäßig durch die Volksrepublik China. Mit seinem Roman Rofalski Trio hat er mittlerweile drei Alben veröffentlicht, auf denen er Vorbilder wie Ravel, Bruckner, Schubert oder Prokofjew arrangiert. 2018 erschien "The Kapustin Project", Rofalskis Debutalbum als Solo-Pianist auf Sony Classical.

Cornelius Rauch ist ein musikalischer Grenzgänger zwischen den Welten der Klassik und der Popular-Musik. 2014 schloss er sein Erststudium im fächerübergreifenden Bachelorstudiengang an der HMTM Hannover ab. Dabei erhielt er Klavierunterricht von Prof. Erika Lux und Ulrike Moortgat-Pick. Im Januar 2019 erfolgte das Abschlusskonzert im Bachelor of Music Pop- und Weltmusik mit Klassik an der hmt Rostock in der Klasse von Roman Rofalski.
Aktuelle Projekte sind die Arbeit im Hannoveraner Asambura-Ensemble und in dem von ihm gegründeten Jazz-Quintett Destinesia. Mit letzterem veröffentlichte Cornelius im Juni 2019 sein zweites Album. Im November 2018 wurde seine erste Komposition für Large Ensemble Al Ereligio bei dem Label Edition Jazz aus Kirchen veröffentlicht. Außerdem hat Cornelius Rauch gemeinsam mit der Sängerin Anna Langer das duo haqolot, welches sich der Musik von während der NS-Zeit verfemten Komponist:innen verschrieben hat und beim internationalen Musikwettbewerb Verfemte Musik in Schwerin mit dem „Dick-Kattenburg-Preis“ ausgezeichnet wurde.
2020 erschien das Album FREMD BIN ICH EINGEZOGEN, das Cornelius Rauch mit dem Asambura-Ensemble aufnahm und das vom BR-Klassik zum Album des Monats gekürt wurde. Ebenfalls 2020 wirkte Cornelius Rauch an der Produktion „Auf der Suche nach Stille“ des Hannoveraner „Theater an der Glocksee“ mit. Die Produktion wurde mit dem Kultur Preis PRO VISIO ausgezeichnet. Aktuell ist er an der Produktion „Mythos Wirklichkeit“ des Staatstheaters Hannover beteiligt.


011 ingo woesner cornelius 260718
Foto:

Ingo Woesner

181015Annebischof Sebastianotto Fe
Foto:

Sebastian Otto

Anne Bischof (*1987) studierte Querflöte am Konservatorium Hamburg und der Musikhochschule Lübeck. Seit ihrem Auslandssemester in Frankreich bei Prof. Mario Caroli, Experte für zeitgenössische Spieltechniken auf der Querflöte, beschäftigt sie sich intensiv mit zeitgenössischer Musik. Sie setzte ihre Ausbildung im Masterstudiengang an der Musikhochschule Hannover fort. Sie ist zudem Absolventin der zertifizierten Weiterbildung „Musik erleben. Musik vermitteln“ an der HfK Bremen. Mittlerweile ist Anne Bischof freiberuflich als Flötistin, Musikvermittlerin, Instrumentalpädagogin und Alexandertechnik-Lehrerin im norddeutschen Raum tätig.

Vendula Nováková

ist tschechische Musiktheater-Regisseurin und -Aktivistin, sie studierte Schauspiel, Film- und Theaterwissenschaft, Theaterpädagogik in Tschechien und Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Der Fokus ihrer Regiearbeit liegt auf aktuellem Musiktheater und den kollektiven Entwicklungsprozessen mit zeitgenössischen Komponist*innen. Das Musiktheater begreift sie als eine ungehörte Collage aus tausendmal gehörten Klang- , Sprach- und Stillefetzen bestehend. Sie ist Mitgründerin des hamburgischen Musiktheater-Kollektivs DU#ENDE und künstlerische Leiterin des „Stimme X Festivals“ für zeitgenössisches Musiktheater in Norddeutschland.


Vendula Variante 8958
Foto:

Simone Scardovelli

Daniel-Moreira-Foto

Foto: Daniel Moreira

Daniel Moreira

Daniel Moreira (1984) ist ein deutsch/brasilianischer Komponist und Dirigent zeitgenössischer Musik. Nach einem Studium in Physik, studierte er Komposition und Musiktheorie in Deutschland (Hochschule für Musik und Theater Hamburg und Musikhochschule Stuttgart), USA (University of Texas at Austin) und Brasilien (Universidade Federal do RS). Seine Kompositionslehrer waren Marco Stroppa, Manfred Stahnke und C.L. Chaves. Außerdem nahm er an zahlreichen Meisterkursen und Workshops von Komponisten und Ensembles der Neuen Musik teil. Daniel Moreira ist Dozent für Komposition und Theorie an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

Fragen & Antworten

181129-mlnds-anne-benjes-081

Impressionen aus dem Jahr 2018

Die Landesmusikakademie und Musikland Niedersachsen gGmbH ist eine Gesellschaft des Landesmusikrats Niedersachsen e.V. in Kooperation mit dem Land Niedersachsen, der Stiftung Niedersachsen und der Niedersächsischen Sparkassenstiftung.